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Andreas Kloiber

Warum ich einen Bioladen betreibe

Ich wollte schon immer einen besonderen Beruf haben. Nun habe ich ihn: Ich bin "Ladner", genauer "Bio-Ladner". Wie kam es dazu?

Schon als Kind war ich sehr naturverbunden, streifte oft durch die Wälder und Wiesen meiner oberösterreichischen Heimat. Als Jugendlicher war ich dann erschrocken über die Bedrohung unserer Umwelt, saugte die Hiobsbotschaften der achtziger Jahre wissbegierig auf und wusste: "Da muss etwas getan werden!" Ich trat Greenpeace bei und brachte meine Mutter manchmal dazu, im Reformhaus einzukaufen. Ich aß kein Fleisch - außer Würstchen und Huhn, wenn ich sollte - und fühlte mich als Waldorfschüler - irgendwie außergewöhnlich.

Dann lernte ich die demeter-Landwirtschaft kennen, im Schwarzwald. In dieser Zeit genoss ich die urtümliche Bauernarbeit, die mir als liebevoll, naturnah und gesundheitsfördernd in Erinnerung blieb. Meine ersten Berufserfahrungen nach dem Fachabitur waren dann auch in Gartenbau und Ökolandbau, auch ein Jahr integrierte konventionelle Landwirtschaft sowie den Beruf des Klauenpflegers für Milchrinder lernte ich aus purem Interesse kennen. Eine harte glückliche Zeit. Sie endete mit dem Gesellenbrief und der Erkenntnis, kein echter Bauer zu sein.

Aber nun kannte ich bioland von innen. Wusste, dass ein Teil der Milch konventionell verramscht wurde und tonnenweise Möhren wegen der längeren Haltbarkeit tiefgekühlt vermarktet wurden. Auch einen Bioladen hatte ich nun betreten - erwartungsvoll gespannt. Orangen waren mein erster regelmäßiger Kauf, ich vertrug die normalen nicht. Und ich fand diesen Bioladen sehr interessant, da ich als Antroposophen-Kind ja nicht klassisch links aufgewachsen war. Interessant und neu. Da wussten Menschen bescheid und waren überzeugte Umweltfreunde. "Ladner" nannten sie sich.

Da ich nicht als Landwirt weitere Bio-Überschüsse produzieren wollte, war die Ausbildung zum Bio-Vermarkter der logische nächste Schritt. Auf dem Dottenfelderhof*, Bad Vilbel, machte ich eine kaufmännische Ausbildung, die sehr praxisbezogen war. Das Frischeangebot im damals umsatzstärksten Bioladen Frankfurts war großzügig und aufwändig präsentiert. Und der Laden lief gut! Samstags war er zur Hälfte angefüllt mit Kunden, die an der Holzofenbrottheke oder den zwei Kassen anstehend einkauften im überschaubaren Sortiment.

In drei Jahren erwarb ich nicht nur den Abschluss als Einzelhandelskaufmann, sondern auch Kenntnisse über Obst und Gemüse, Vollwerternährung (mit täglicher Eigenerfahrung dank der Hofküche!) und die bäuerliche Herstellungsweise von Käse, Brot, Eiern und Honig. Der Dottenfelderhof lebt und entwickelt darüber hinaus eine Art des gemeinschaftlichen Zusammenlebens, die heute wieder aktuell und zukunftsträchtig erscheint. Diese Gemeinschaftserfahrung war lehrreich und beeinflusst meine Zukunftswünsche bis heute.

Ich lernte im Dottenfelderhof -Laden auch, dass das Leben als "Hof-Ladner" dem des Bauern doch recht ähnlich ist. Zwar durften wir später beginnen als diese - also um sechs Uhr morgens - aber die Arbeitsintensität machte dieses Mehr an Nachtschlaf auch nötig. Körperlich anstrengend war die Arbeit ebenfalls, Kartoffelsäcke und Gemüsekisten gab es genug; und der Verdienst war hier wie dort nicht üppig. Das mag damit zusammenhängen, dass wir Frankfurts günstigster Bioladen waren - fanden doch etliche Landwirte Geldverdienen generell etwas anrüchig und die Preise im Frankfurter Raum erst recht. Die Rahmenbedingungen des "Hof-Ladner"-Seins lernte ich also realistisch kennen hier. Was aber war ein normaler "Stadt-Ladner"?

Dies zu erfahren, begann ich bei "Grünkern Naturkost", einem eingesessenen Stadtteil-Bioladen in Frankfurt-Sachsenhausen. Befasste mich mit Kosmetik, Kinderernährung und Käsepflege, lernte hier kennen, dass ein normaler "Ladner" fast immer mehrere Aufgaben gleichzeitig zu tun hat. Ich erfuhr sozusagen den Rest meiner Ausbildung, angepasst auf ein mittelkleines Fachgeschäft.

Hier lernte ich auch meine eine wichtige Frau kennen, sie kaufte immer Milch und Brot. Und schien ebenfalls Waldorfschülerin zu sein, wohnte genau über dem Laden und fuhr bald gerne mit mir Fahrrad. Damals wusste sie noch nicht, dass es gefährlich arbeitsintensiv sein kann, einen potenziellen "Ladner" kennen zu lernen. Heute ist sie, Monika von Tigerström*, im Bioladen naturgenuss fast täglich kennen zu lernen. (Aber nicht mehr zu haben.)

Aus der Stadt wieder entflohen, arbeitete ich wiederum in kleinen demeter-Gärtnereien und lernte kennen, wie Saatgut auf höchstem Niveau vermehrt und traditionell gezüchtet wird.* Aus dieser Zeit stammt mein Engagement für die gentechnikfreie Landwirtschaft und die Verwendung von Bio-Saatgut wo immer möglich. Hier wird viel ehrenamtliche Arbeit in Züchtung und Forschung* geleistet, und nur wenige Spezialisten vermarkten all diese feinen Saaten und schaffen es dabei noch, mit Behinderten zu arbeiten.

Um meinem Beruf treu zu bleiben, fing ich in Hofheim am Taunus in der "Lebensquelle" an, einem wunderschönen Laden, bis heute ein Vorbild in Manchem für mich. In stets entspannter Atmosphäre wird man dort auch mit Ausgefallenem versorgt, etwa Orgon-Salz und eine frische Müsli Hausmischung. Das ganze in einer zum kleinen Ökozentrum ausgebauten Hofreite (was ist das?) im Stadtkern. Bald bekam ich jedoch die Chance, den Zweit-Laden der Lebensquelle in Wiesbaden-Naurod zu betreuen. Und nun hatte ich ihn endlich, meinen "Ladner"-Traum: einen fast eigenen Bioladen. Mit Fachwerk im Geschäft, 500 Jahre alt und einem kleinen, feinen Kundenkreis. Stadtrand-Lage. Nicht zum Reich werden, aber schön und schön stressig, da ich stets höher hinaus wollte.

Als mein Chef dann ankündigte, auszuwandern, war ich wirklich versucht, mir den Laden ganz anzueignen. Leider scheiterte dies später an den Preisvorstellungen und meinen Wünschen nach einem barrierefreien modernisierten Geschäftsraum. Das Lädchen konnte jedoch unter anderer Führung als "Frohnatur" bis heute weiter bestehen.

Nun habe ich ihn, meinen Bioladen. Dank vieler Stunden Planung, Finanzierung, Mithilfe vieler Freunde. Wir sind hier in Groß-Zimmern, weil dieser Ort einen guten Bioladen wert sein sollte. Weil es hier ein sozial und alternativwirtschaftlich kreatives Umfeld gibt. Und weil der Odenwald meine Partnerin einfach angezogen hat. Und mich an meine Heimat am Fuß des Mittelgebirges erinnert.

Wo Berge sind und Wald, da gibt es gutes Brot, guten Honig und Käse. Und ein paar unmodern engagierte Bio-Ladner vielleicht...

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